Mehr als 85 Prozent hielten sich in einer Befragung für weniger anfällig für kognitive Verzerrungen als der Durchschnitt. Nur ein einziger Befragter glaubte, mehr davon in sich zu tragen als die meisten anderen. Und das Ergebnis wiederholt sich in Studie für Studie.
Kognitive Verzerrungen sind systematische Muster, in denen das menschliche Gehirn vorhersehbar vom objektiven Urteilen abweicht: Menschen suchen bevorzugt nach Informationen, die ihre Meinung bestätigen. Erinnerungen formen sich im Nachhinein so um, dass sie zur eigenen Geschichte passen. Fähigkeiten werden regelmäßig überschätzt. Diese Muster sind gut erforscht, weit verbreitet und betreffen jeden, unabhängig von Bildung oder Intelligenz.
Und hier liegt das Rätsel: Wenn alle diese Muster zeigen, warum hält sich fast niemand selbst für betroffen?
Der Blind Spot Bias, ein Begriff geprägt von der Sozialpsychologin Emily Pronin, beschreibt genau diese Lücke zwischen Realität und Selbstbild. Der Grund liegt im Weg, den die Selbstwahrnehmung nimmt. Wer das eigene Denken prüft, schaut nach innen, auf Absichten, Gefühle, innere Überzeugungen. Wer andere beobachtet, schaut von außen, auf Verhalten und Muster.
Kognitive Verzerrungen sind von außen gut erkennbar. Von innen fühlen sie sich hingegen wie Klarheit an und wer dort nichts findet, schlussfolgert: keine Verzerrungen vorhanden.
Menschen mit höherer kognitiver Fähigkeit haben einen größeren Blind Spot Bias, nicht einen kleineren. Mehr Wissen und schärferes Denken schützen nicht davor, sondern liefern nur bessere Werkzeuge, um die eigenen Überzeugungen zu verteidigen.
Nur ein Teilnehmer zwischen all den anderen hielt sich für fehleranfälliger als die meisten. Vielleicht hatte er recht. Vielleicht auch nicht.
Dieser Beitrag ist Teil einer größeren Geschichte. Earth’s Agency ist eine fiktionale Buchreihe über reale Fakten, echte Systeme und das, was auf dem Spiel steht.
Felicity & Cassian mittendrin, in einer Welt, die nicht vollständig erfunden ist.
Wirklichkeit wird zur Geschichte. Geschichte wird zur Wirklichkeit.
Jeder hört anders. Wer wissen will, welche Musik die Protagonisten im Buch hören, wenn gerade keine Krise ist, findet es bei Spotify. Felicity Cassian Jasmine Étienne
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