House of Tugu, Jakarta. Das Hotel, das zeigen darf, was drei Jahrzehnte lang verboten war.

Am Kali Besar, einem alten Handelskanal in Jakarta, steht ein Komplex aus kolonialen Häusern. Wer die schwere Eingangstür passiert, steht vor einem chinesischen Drachen, 26 Meter lang, gold und rot, der Decke entlang gespannt. Dahinter tausendjährige Statuen, ein Zeremonialboot mit Tigerkopf aus dem Jahr 1648 und Gemälde des indonesischen Malers Raden Saleh.

Das kann wie Museum wirken, es ist aber ein Hotel. Und was es zeigt, durfte in Indonesien über dreißig Jahre lang offiziell nicht gezeigt werden.

1967, kurz nach dem Machtwechsel zu dem diktatorisch regierenden Suharto, begann Indonesien die öffentliche Sichtbarkeit seiner chinesisch-stämmigen Bevölkerung systematisch zu beschränken. Chinesische Schulen wurden geschlossen, Schriftzeichen aus dem öffentlichen Raum verbannt und kulturelle Feiern verboten. Was in jenen Jahrzehnten an Peranakan-Kultur, der über Jahrhunderte gewachsenen Mischkultur chinesischer Einwanderer und einheimischer Bevölkerung, nicht in Privaträumen versteckt wurde, verschwand ganz.

Anhar Setjadibrata fuhr in den 1970ern als junger Mediziner durch Java und fand überall dasselbe: Artefakte, die ihre Besitzer wegwerfen wollten, weil sie altmodisch schienen oder weil sie an etwas erinnerten, das gerade unsichtbar werden sollte. Er sammelte sie, jahrzehntelang. Heute gehört seine Familie zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlern des Landes, und über tausend dieser Objekte füllen Gänge und Zimmer des House of Tugu, einem besonderen Hotel in Jakarta.

Das Haus selbst trägt eine Geschichte, die noch älter ist. Um 1866 sah ein Händler namens Oei Tjie Sien dieses Haus und schwor, er werde es eines Tages besitzen. Sein Sohn, Oei Tiong Ham, wurde der reichste Mann zwischen Shanghai und Australien. Die Presse nannte ihn den Rockefeller Asiens; er hatte das größte Wirtschaftsimperium Südostasiens aufgebaut. Anhar Setjadibrata gilt als direkter Nachfahre aus dieser Linie.

Im Januar 2025 öffnete das House of Tugu in Kota Tua und landete wenige Monate später auf TIMEs Liste der bemerkenswertesten Orte der Welt. Wer heute durch diesen Korridor geht, geht über Geschichte.


Dieser Beitrag ist Teil einer größeren Geschichte. Earth’s Agency ist eine fiktionale Buchreihe über reale Fakten, echte Systeme und das, was auf dem Spiel steht.

Felicity & Cassian mittendrin, in einer Welt, die nicht vollständig erfunden ist.

Wirklichkeit wird zur Geschichte. Geschichte wird zur Wirklichkeit.

Zur Buchreihe.


Jeder hört anders. Wer wissen will, welche Musik die Protagonisten im Buch hören, wenn gerade keine Krise ist, findet es bei Spotify. Felicity Cassian Jasmine Étienne



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