Giant Sea Wall. 80 Milliarden lösen nur eins von drei Problemen.

Im Museum Bahari im Norden Jakartas in einem Lagerhaus aus dem Jahr 1719, muss man fünf Stufen hinabsteigen, um das Museum zu besuchen. Nicht weil das Gebäude in den Boden eingelassen wurde, sondern weil es seit 1939 um zweieinhalb Meter gesunken ist. Das ist ungefähr die Zimmerhöhe einer Wohnung in Deutschland. Jakartas Boden sackt ab, weil seit Jahrzehnten mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird als Grundwasser zurückbekommt (mehr dazu in diesem Artikel hier).

Und jetzt plant Indonesien eine Art Mauer dagegen.

Der Garuda über der Bucht

Im Juni 2025 gab der Präsident von Indonesien das mit 80 Milliarden Dollar veranschlagte Megaprojekt mit 30 Jahren Verspätung offiziell frei: der Giant Sea Wall. Eine Schutzanlage entlang der gesamten Nordküste der Insel Java. Über 500 Kilometer lang und Kosten bis zu 80 Milliarden Dollar, zumindest aktuell, mehr als doppelt so viel wie der Bau der neuen indonesischen Hauptstadt Nusantara auf Borneo. Die geschätze Bauzeit erinnert an historische Monumente: 15 bis 20 Jahre.

Das Herzstück des Projektes wird in Form eines Garuda gebaut, dem mythischen Adler aus der indonesischen Nationalsymbolik, die Schwingen über der Bucht ausgebreitet. Aus der Luft wird die größte Küstenmauer der Welt wie ein Schutzgeist aussehen.

Das Projekt entsteht in Stufen. Zunächst ein offenes Sperrwerk, das Wellenhöhen um rund 80 Prozent dämpft. Nach 2050 eine geschlossene Barriere, die die Bucht in ein ein Reservoir für Süßwasser verwandelt. Geplant ist dabei keine reine Betonstruktur, sondern eine Hybridlösung mit Mangrovenwäldern als natürlichem Puffer davor.

Was die Mauer nicht schafft

Was das Sperrwerk kann: das Meer einigermaßen aufhalten. Was es nicht kann: das Sinken stoppen. Solange Grundwasser abgepumpt wird, gibt der Boden weiter nach, mit Mauer oder ohne. Die Barriere schützt vor dem Wasser von außen. Das Problem unter Jakarta bleibt offen. Forscher warnen zusätzlich vor stagnierendem Wasser hinter der Mauer, gefährdeten Korallenriffen und bedrohten Fischereigemeinschaften. Ökonomen mahnen, das Projekt könnte Indonesien tiefer in Auslandsschulden treiben und damit geopolitisch abhängig machen.

Und dann ist da noch das dritte Problem, das keine Mauer löst: Jakarta verliert gerade seine Rolle als Hauptstadt. Unter dem Vorgänger des jetzigen Präsidenten beschlossen, zieht die Regierung nach Nusantara, einer neuen Stadt im Regenwald Ostkalimantans auf Borneo. Jakarta bleibt wirtschaftliches Zentrum.

Im Küstenviertel Ancol ist ein erster Deichabschnitt fertiggestellt. Auf einer Seite die Bucht. Auf der anderen die Straßen der Stadt, die tiefer liegen als das Wasser dahinter.


Dieser Beitrag ist Teil einer größeren Geschichte. Earth’s Agency ist eine fiktionale Buchreihe über reale Fakten, echte Systeme und das, was auf dem Spiel steht.

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